„Endlich wurden wir und unsere Fantasie gefragt!“ ;-)
2010-10-12 00:00
Es wird von Kindern seit jeher erwartet, dass sie sich in die von Erwachsenen gebildete Umgebung einpassen. Sie werden bei der Gestaltung ihrer Umgebung nicht in die Planung mit einbezogen. Dadurch wird nicht selten an ihren Bedürfnissen vorbeigeplant; oft aus Mangel an Kreativität der Erwachsenen, häufiger jedoch begründet durch finanzielle Sachzwänge.
Kerstin Kuehn und Nadine Nocken woll(t)en im Namen von Pro Biederitz e.V. mit einem Projekt Verantwortliche, Erwachsene und Kinder dazu anregen, darüber nachzudenken, dass Kinder selbst viel dazu beitragen können, ihre Umgebung attraktiver und lebenswerter zu machen, wenn sie die Chance dazu bekommen.
Daher fand am 11. und 12. Oktober 2010 in der Schule ein von Pro Biederitz e.V. initiiertes Projekt „Architektur macht Schule - SchülerInnen sammeln und gestalten Ideen für ihren Schulhof“ statt. Ziel dieses Projektes war es, gemeinsam in Gruppen Ideen für die Umgestaltung ihres Schulhofes zu entwickeln und deren Machbarkeit zu diskutieren. Entwürfe sollten gemalt und in Modellen umgesetzt werden.
Durch das Projekt wurden die Schüler in die Entscheidungsfindung für die
Gestaltung einbezogen, bevor die Sanierung des Schulhofes von der Gemeinde Biederitz geplant wird. Gefördert wurde das Projekt vom Kultusministerium des Landes Sachsen-Anhalt, dem wir an dieser Stelle recht herzlich danken möchten.
Unser großer Dank gilt aber vor allem den Lehrerinnen der Klassen 3 und 4 und der Schulleiterin Frau Gellert, die das Projekt so großartig unterstützt haben!
Nach unseren intensiven Eindrücken und Gesprächen in den zwei Tagen mit den Kindern können wir uns lebhaft vorstellen, dass der Bericht der Schülerinnen und Schüler über das Projekt so ausfallen würde:
Whow! Wir waren sehr gespannt, wie das Projekt werden würde, das wir am 11. und 12. Oktober in unserer Schule in Angriff nehmen sollten! „Architektur macht Schule“ und „Schülerinnen und Schüler sammeln Ideen für ihren Schulhof“.
Natürlich waren wir auch stolz, dass nur die 3. und 4. Klassen an diesem Projekt teilnehmen durften; die Kleinen waren ja noch zu klein! Uns traute man anscheinend zu, etwas mit diesem Thema anzufangen. Wir hatten uns im Vorfeld schon mal ein paar Gedanken gemacht und aufgeschrieben.
In der Mehrzweckhalle empfingen uns dann die Leute von Pro Biederitz, die sich das Projekt für uns ausgedacht hatten. Fast alles Architekten waren das, und ein paar andere Helfer. Die schienen genauso neugierig auf uns zu sein wie wir auf die! Zuerst haben der „große“ und der „kleine“ Bürgermeister gesprochen und der „große“ Bürgermeister ist dann weggegangen mit den Worten:“ So, jetzt muss ich in die Verwaltung, um das Geld für die Verwirklichung Eurer Ideen zu sammeln!“ Das fanden wir echt gut!
Wir sahen als Erstes einen Film darüber, was Architekten so machen und an was die alles denken müssen, wenn sie Gebäude oder ähnliches planen.
Dann waren wir an der Reihe! Erstmal wurden wir gefragt, was wir an unserem Schulhof alles nicht gut finden: na klar, der blöde Belag auf dem Schulhof! Pflastersteine, die wie Wellen auf dem Boden tanzen, uns stolpern lassen und bei Regen viele tiefe Pfützenbecken ergeben!
Den Jungs war es natürlich wichtig, einen vernünftigen Fußballplatz zu haben; die Tore fehlen, na ja und so weiter: zuwenig Sitzgelegenheiten, keine zweite Tischtennisplatte und die Klettergerüste? Für die Kitakinder okay, aber für uns?
Die Architekten schrieben alles auf eine Tafel und danach fragten sie uns doch tatsächlich, was wir uns denn wünschen würden? Natürlich haben wir uns dann immer weiter überschlagen mit unseren Ideen, unserer Fantasie sind uns ja – im Gegensatz zu Euch Erwachsenen – keine Grenzen gesetzt. Sauna und Gruselbahn waren nur einige der Vorschläge, die wir in den Raum gerufen haben. Und… die haben das alles aufgeschrieben!
Dann haben wir nach einer Pause aber auch gemerkt, dass einige der Vorschläge doch nicht so machbar waren und haben sie dann wieder weggestrichen. Übrig blieben die Dinge, die von allen irgendwie gut gefunden wurden.
Wir haben das alles in 3 Zonen geordnet, so Ruhe-, Spiel- und Sportzone und dann ging’s in den 8 Gruppen los: wir sollten Modelle bauen, in denen wir unsere Ideen für unseren Schulhof darstellen. Das sollte dann den Verantwortlichen in der Gemeinde gezeigt werden, die für die Umgestaltung des Hofes verantwortlich sind. Und das ist jetzt mal was ganz tolles, denn sonst werden wir ja gar nicht gefragt, wie wir uns vorstellen, wie unsere Umgebung aussehen soll. Dann bauen die Erwachsenen z.B. einen Spielplatz, wie sie ihn sich vorstellen und dann versuchen sie auch noch – wenn überhaupt – angestrengt darüber nachzudenken, wie wir uns was vorstellen würden. Da können die uns doch gleich fragen!
Haben die sich von Pro Biederitz wohl auch gedacht. Jedenfalls, wir haben echt so’n Spaß gehabt, dass wir uns gleich an die Arbeit gemacht haben. Dabei haben wir auch festgestellt, dass wir uns nicht nur über uns Gedanken machen sollten, sondern auch mal nachdenken, was z.B. die Jungs (oder die Mädchen) auf dem Schulhof gebrauchen könnten, oder was die Kleinen wohl gern möchten! Alle Ideen auf dem Hof und dem Sandspielbereich unterzubringen, war manchmal gar nicht so einfach, aber irgendwie hat es doch meistens geklappt. Wir haben uns miteinander abgestimmt, wo z.B. das Baumhaus hin soll und wer die zweite Tischtennisplatte oder die Trampoline baut, wer das Schulmaskottchen macht, wo das Apfelbäumchen zukünftig wachsen kann oder wie der neue Kiosk aussehen soll, den wir selber betreiben wollen! Einige von uns haben sogar an den richtigen Maßstab gedacht!
Und wisst Ihr, was die allermeisten noch wollten?
Nein?
Dann schaut Euch die Modelle in der Mehrzweckhalle doch an und seht, was in allen Ideen an gleichen Sachen auftaucht! Wir haben uns auf jeden Fall wie verrückt Mühe gegeben, obwohl (oder vielleicht auch gerade weil?) wir keine Note darauf kriegen und es um unsere Träume für den Schulhof geht! Klar wissen gerade die aus den 4., dass sie die Umgestaltung des Hofes wohl nicht mehr mitkriegen, weil sie ja nächstes Jahr im Sommer auf `ne andere Schule gehen. Aber die Sache ist es allemal wert. Es ging um uns und wir wurden endlich mal gefragt!
Und die Lehrerinnen und Frau Gellert, unsere Schulleiterin, und die Leute von Pro Biederitz mit den Architekten und Helfern, die haben uns total gelobt und waren, wie wir, alle super zufrieden mit den Ergebnissen.
Und jetzt geben wir die Verantwortung für unseren „neuen“ Traum-Schulhof an Euch zurück, liebe Verantwortliche von der Gemeinde und der Verwaltung! Vieles von dem, wovon wir auf unserem Schulhof träumen, haben wir Euch in den Modellen gebaut. Ihr braucht also nicht mehr auf Eure Fantasie zurückgreifen! Die Arbeit haben wir Euch schon abgenommen! Es liegt jetzt nur noch an Euch, ob Ihr uns als Kinder mit unseren Ideen ernst nehmt und die auch umsetzen wollt. Und wenn uns dann zusammen ein supertoller Schulhof gelungen ist, der vielleicht auch ein Beispiel für andere Schulhöfe wird; wer weiß, wie viele Familien dann extra wegen dieses gelungenen Projektes zu uns in die Gemeinde Biederitz ziehen?!
Eure Schülerinnen und Schüler der 3. und 4. Klassen der GS Biederitz
Kerstin Kuehn
Nadine Nocken
Pro Biederitz e.V.
